Rundbrief Neujahr 2008

Liebe Mitglieder, liebe Freunde Thomas Manns,

mit dem hoch interessanten Vortrag von Dr. Jürgen Kolbe zu den frühen politischen Warnungen Thomas Manns in den Zwanziger Jahren sind unsere Veranstaltungen im letzten Jahr zu Ende gegangen. Wir gedachten an diesem Abend des segensreichen Wirkens von Prof. Dr. Andreas Heldrich, dem ehemaligen Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität, in deren Hauptgebäude am Geschwister-Scholl-Platz auf seine Initiative hin im Jahr 2003 die „Thomas-Mann-Halle“ eingerichtet und auch die Vortragsreihe „Thomas Mann in München“ begonnen werden konnte. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bereiten. Leider erfuhren wir in diesen Tagen auch vom Ableben des unermüdlichen Thomas-Mann-Forschers Gert Heine. In buchstäblich letzter Minute konnte er zusammen mit unserem Förderkreis-Mitglied Prof. H. J. Armbrust das Personenlexikon „Wer ist wer im Leben von Thomas Mann“ fertig stellen. Der Band erscheint im Frühjahr bei Klostermann in Frankfurt/M. und wird den Mitgliedern selbstverständlich vorgestellt werden.

Mit neuem Schwung geht es ins neue Jahr. Wir freuen uns sehr, Ihnen bereits zum Jahresanfang mehrere Veranstaltungen ankündigen und empfehlen zu können. Besonders große Aufmerksamkeit erregt derzeit das Thema „Doktor Faustus“ sowohl in Form der endlich erschienenen, von Prof. Ruprecht Wimmer umfassend kommentierten Ausgabe innerhalb der großen Frankfurter Werkausgabe Thomas Manns als auch in der „kongenial“ (F.A.Z.) inszenierten Hörspiel-Fassung des Münchener Hörverlags. Auf Anregung des Förderkreises haben sich das Literaturhaus München, der S. Fischer Verlag, der Hörbuchverlag und der Förderkreis zu einer Buchvorstellung mit Podiumsdiskussion am Donnerstag, dem 24. Januar 2008 im Literaturhaus zusammengetan (s. a. die anliegende Einladung).

Noch ein Wort zur Hörspiel-Fassung des „Doktor Faustus“. Diese Bearbeitung ist tatsächlich außerordentlich zu empfehlen; die Vielstimmigkeit des Romans ist hervorragend umgesetzt, und man ist, etwa in den vermeintlich ‚langatmigen’ Passagen zur Musikgeschichte, in der Lage, den ‚Geheimen Rat’ Theodor W. Adorno nahezu wörtlich heraushören zu können – von der beängstigenden Vielstimmigkeit des Teufels im berühmten Zwiegespräch einmal ganz abgesehen. Ein Glücksfall und zugleich Zeugnis für die anhaltende Aktualität Thomas Manns auch im medialen Zeitalter.

Auf Initiative unseres Mitglieds Dr. Fritz Wambsganz hat die Gemeinde Polling bei Weilheim übrigens Anfang September 2007 einen Doktor-Faustus-Weg angelegt, auf dessen verschiedenen Stationen Texttafeln Auszüge aus dem Roman präsentieren.

Aufmerksam machen wollen wir an dieser Stelle auf eine Veranstaltung unseres Mitglieds Klaus Bäumler, dem Vorsitzenden des Bezirksausschusses 3 Maxvorstadt. Am Sonntag, dem 27. Januar 2008, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wiederholt Bäumler bei einer Veranstaltung des Bezirksausschusses zusammen mit dem Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie. Regionalgruppe München“ und der VHS München, Fachgebiet Politik und Gesellschaft im Fürstensaal der Bayerischen Staatsbibliothek, Ludwigstraße 16, aus Anlass von „75 Jahren ‚Machtergreifung’“ seinen Vortrag „’Protest der Richard-Wagner-Stadt München’ im Jahr 1933: Hintergründe und Folgen“ (Beginn 18 Uhr). Die Druckfassung des Vortrags, samt umfangreichem dokumentarischem Anhang zu den damaligen Unterzeichnern des „Protestes“ gegen Thomas Mann, liegt, wie Sie wissen, seit 2004 in Band 4 unserer Thomas-Mann-Schriftenreihe vor.

Den 75. Jahrestag von Thomas Manns folgenreichem Richard-Wagner-Vortrag im Auditorium Maximum der Ludwig-Maximilians-Universität am 10. Februar 1933 und den 125. Todestag Richard Wagners am 13. Februar 2008 nimmt unser Mitglied Prof. Dr. Dieter Borchmeyer, der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste eben diesen Wagner-Gedenktag zum Anlass, uns einen besonders programmatischen Vortrag zu halten. Das Thema lautet „Was ist deutsch? Variationen eines Themas von Schiller über Wagner zu Thomas Mann.“ Aus organisatorischen Gründen – das Hauptgebäude ist wegen Prüfungen im Februar 2008 ausgebucht – findet der Vortrag statt am Mittwoch, dem 13. Februar 2008 um 19.30 Uhr im Gebäude der LMU an der Leopoldstraße 13 (Hörsaal  2U 01). Eine Lageskizze wird der demnächst zu versendenden Einladung beiliegen.

Der „Doktor Faustus“ und die deutsche Zeitgeschichte ist zudem Thema am Sonntag, dem 24. Februar 2008 bei einem „Sonntagsgespräch“ in Tutzing. Bei dieser bereits traditionellen Veranstaltung der SPD Ortsverein Tutzing unter der Leitung unser Förderkreis-Mitglieds Gernot Abendt unterhält sich Dirk Heißerer mit Prof. Wimmer, dem Herausgeber der neuen kommentierten „Doktor-Faustus“-Ausgabe. (Andechser Hof, in Tutzing an der Hauptstraße, 11 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig).
 
Wie bereits angekündigt, findet die nächste Mitgliederversammlung am Donnerstag, dem 13. März 2008 wieder wie gewohnt im Literaturhaus München statt (Beginn 19 Uhr). Diesmal steht auch die Neuwahl des Vorstands an. Eine Einladung mit Tagesordnung geht Ihnen noch rechtzeitig zu.

Die erfreulich gute Zusammenarbeit des Förderkreises mit der LMU wird auch 2008 fortgesetzt. Wir freuen uns sehr, dass eine Anregung zur Verbesserung der Präsenz Thomas Manns in der nach ihm benannten Halle von der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek aufgegriffen wurde. Ab Anfang Januar wird eine Vitrine unter der Thomas-Mann-Büste dauerhaft entsprechende Themen wechselweise präsentieren. Es beginnt mit „Thomas Mann und die Universität München“. Wir danken Frau Dr. Cornelia Töpelmann dafür, dass sie auch die Anregung zu einer weiteren Ausstellung aufgegriffen hat. Peter de Mendelssohn, der Autor, Journalist, Übersetzer und Biograph des ‚Zauberers’, würde am 1. Juni 2008 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass zeigt die LMU eine Ausstellung, die am 2. Juni 2008 in der Thomas-Mann-Halle eröffnet wird. Zu sehen sind die Exponate aber diesmal nicht dort, sondern in den Vitrinen des Ausleihbereichs im Erdgeschoss. Die Ausstellung "Peter de Mendelssohn zum 100. Geburtstag" dauert bis zum 30. Juli.

Das sind die bislang feststehenden Termine für das erste Halbjahr 2008. Weitere Termine sind in Vorbereitung, darunter unsere Exkursion nach Zürich und unsere traditionelle Reihe „Thomas Mann in München“. Sie wird in ihrer sechsten Staffel in diesem Sommer ausnahmsweise einmal nicht in der LMU, sondern an verschiedenen Schauplätzen in München stattfinden. Der Vorstand hat sich in diesem Jahr dazu entschlossen, Lesungen mit Thomas-Mann-Texten an ganz konkreten, mit den jeweiligen Werken in Verbindung stehenden Orten zu organisieren. Eine genaue Übersicht geht Ihnen demnächst zu.

Nicht zuletzt möchten wir auch all diejenigen, die nun schon über ein Jahr auf Band 7 unserer Schriftenreihe warten, versichern, dass wir den Druck der Vorträge vom Sommer 2006 zusammen mit inzwischen erstellten, hoch interessanten Nachträgen zu Band 5, im Frühjahr, vielleicht sogar schon zur Mitgliederversammlung vorlegen wollen. Die neuen Funde zu der Novelle „Unordnung und frühes Leid“ werden hoffentlich die lange Wartezeit im Nachhinein erträglicher machen. Die Arbeit an der Edition der Briefe Katia Manns an Thomas Mann durch die Herausgeberin Inge Jens soll dann spätestens zum 125. Geburtstag Katia Manns am 24. Juli 2008 vorliegen und bei einer besonderen Veranstaltung präsentiert werden.

Wir würden uns über Ihre weitere rege Teilnahme an unseren Veranstaltungen sehr freuen und hoffen, Ihnen schon bald weitere feste Termine bekannt geben zu können.

Mit guten Wünschen für das neue Jahr

Dr. Dirk Heißerer

P.S. Der vorliegende Rundbrief geht Ihnen, auf vielfachen Wunsch, auch wieder per Post zu. Der E-mail-Versand wird aber beibehalten. Der nächste Stammtisch findet am 9. Januar wieder wie gewohnt um 18.30 Uhr im Lokal Esskultur in der Amalienpassage statt.

 

Hinweise zum Ausdrucken von Texten