Presseinfo zur Vortragsreihe ‚Thomas Mann in München V’, LMU München, Sommersemester 2007
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Thomas-Mann-Förderkreis München e.V. veranstaltet zusammen mit der Fakultät für sprach- und Literaturwissenschaften in diesem Sommersemester bereits zum fünften Mal die Vortragsreihe "Thomas Mann in München". Die sieben Vorträge behandeln literaturgeschichtliche, kunsthistorische, rechtliche und biographische Themen, die wieder viele neue Aspekte zu Thomas Manns Zeit in München mitteilen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Vorträge entsprechend bekannt machen oder gar begleiten würden.
Eröffnet wird die Reihe am kommenden Mittwoch, den 6. Juni von Prof. Dr. Hermann Kurzke (Mainz). Sein Vortrag fasst die Arbeitsergebnisse einer 30-jährigen Beschäftigung mit Thomas Manns umfangreichen "Betrachtungen eines Unpolitischen" (1918) zusammen. Die von Prof. Kurzke bis ins Detail nachgewiesenen Quellen und Zitate werden ausführlich im Kommentar der Edition für die Große Kommentierte Frankfurter Ausgabe (GKFA) vorgestellt werden, der 2008 erscheinen soll. Der Münchener Vortrag stellt diese neue Lesart des vieldiskutierten Werkes als Zitatmontage erstmals öffentlich vor.
Der Vortrag zu den Lenbach-Porträts im Palais Pringsheim am 13. Juni hat sich aus der Edition der Erinnerungen des Münchener Malers Hermann Ebers ergeben. Der von Alexander Krause 2006 herausgegebene Band 5 der Thomas-Mann-Schriftenreihe (www.peniope.de) führte zur Entdeckung von Lenbach-Porträts der Familie Pringsheim zwischen Wien und Paris, Zürich und München. Die in diesen Tagen zuende gehende Ausstellung zur Sammlung Pringsheim im Jüdischen Museum München lässt sich durch viele neue Funde ergänzen.
Dr. Michael Stephan aus der Generaldirektion des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München arbeitet seit Jahren in dem heiklen Grenzgebiet zwischen Literatur und Recht. Nach Arbeiten zu Georg Queri (dessen Renaissance Dr. Stephan seit einigen Jahren intensiv und sehr erfolgreich betreibt) und Lion Feuchtwanger bietet seine Studie zu Thomas Manns Arbeit im Münchener Zensurbeirat am 20. Juni dank der noch kaum ausgewerteten Archivalien neue, vom seinerzeitigen Literaturbetrieb und seinen Aufregungen unabhängige Erkenntnisse.
Es freut uns besonders, in Prof. Dr. Thomas Raff (Unversität Augsburg) am 27. Juni den Experten zu Leben und Werk des Zeichners und "Simplicssimus"-Gründers Thomas Theodor Heine gewonnen zu haben. Die Frage, ob sich aus dessen Verhältnis zum einstigen "Simplicissimus"-Kollegen mehr als nur die Zusammenarbeit für die erste Ausgabe der Satire "Wälsungenblut" (1905; 1921) ergeben hat, führte zu einer ausgedehnten Forschung mit ebenfalls vielen überraschenden neuen Einsichten in die äußerlich so verschiedenen, wesentlich aber sehr verwandten Ironiker.
Die Slawistin und Verlagslektorin Dr. Carmen Sippl nimmt am 4. Juli ein Thema auf, dem in Thomas Manns Münchener Zeit bislang zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dabei hatte die "Russische Literatur" in seinem Bücherregal an der Franz-Joseph-Straße 2 gleich drei Fächer. Der von Thomas Mann hoch geschätzte Autor und Übersetzer Alexander Eliasberg spielte für Thomas Manns Rezeption der russischen Literatur in seiner Münchener Zeit eine wichtige Rolle.
Einem besonders heiklen Thema widmet sich PD Dr. Sven Hanuschek vom Institut für Deutsche Philologie (München) am 11. Juli. Noch immer ranken sich viele Fragen, Spekulationen und sogar Vorwürfe um den ersten Deutschland- und München-Besuch Thomas Manns nach dem Krieg 1949. Die Ambivalenz, der Thomas Mann in München bis heute ausgesetzt ist, hat auch mit diesem Besuch und seinen Begleitumständen zu tun.
Schließlich ist es uns eine große Freude, zum Abschluss der diesjährigen Vortragsreihe am 18. Juli Ergebnisse eines literaturwissenschaftlichen Hauptseminars im vergangenen Wintersemester präsentieren zu können. PD Dr. Waldemar Fromm hat eine Anregung von Dirk Heißerer aufgenommen und konnte mit dessen Unterstützung eine ganze Reihe von Studenten durch Besuche in den Archiven der Bayerischen Staatsbibliothek, der Universitätsbibliothek, der Stadt München und der Stadtbibliothek (Monacensia), des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, des Staatsarchivs und des Kriegsarchivs dazu bewegen, in jeder Hinsicht Neuland zum Thema Thomas Mann in München zu erschließen.
Dabei wurden beispielsweise 30 von 50 undatierten Zeitungsartikeln, die Thomas Mann in der Frühzeit seiner Arbeit an "Felix Krull" gesammelt hat, datiert, zugeordnet und für die Edition des Romans innerhalb der GKFA zur Verfügung gestellt. Ein besonders interessantes Bild des Autors im Spiegel der Öffentlichkeit ergab die Auswertung der Artikel zu Thomas Manns feierlich in München begangenem 50. Geburtstag 1925. Dagegen steht die absichtliche publizistische Nicht-Erwähnung des Engagements Thomas Manns im "Kampf um München als Kulturzentrum" (1926) in den "Münchner Neuesten Nachrichten". Einer Anregung des Thomas-Mann-Bibliographen Gregor Ackermann (Aachen) zu Thomas Manns bislang völlig unbekanntem Vorsitz der Münchener Filmgesellschaft "Urania" (1928) zusammen mit dem Pädagogen Georg Kerschensteiner konnte erfolgreich nachgegangen werden. Weiter lassen sich die Hintergründe des Vortrags Thomas Manns zu Sigmund Freud 1929 in der Universität auf Einladung des Clubs demokratischer Studenten erhellen.
Diese Vorträge und Beiträge werden voraussichtlich im Frühjahr 2008 in Band 8 der Thomas-Mann-Schriftenreihe erscheinen. Aufgrund einiger Verzögerungen wird der noch ausstehende Band 7 (Thomas Mann in München IV, Vorträge Sommer 2006) der Schriftenreihe vermutlich erst im Herbst ausgeliefert werden können. Die notwendig gewordene Einzelpublikation der Studie zu den Lenbach-Portraits der Familie Pringsheim erscheint vermutlich im Herbst 2007. Des weiteren sind in Vorbereitung zwei neue Titel der Reihe „Fundstücke“, einmal die Briefe Katia Manns an Thomas Mann, hrsg. von Inge Jens (Ende 2007), zum anderen eine Studie über das Landhaus der Familie Mann in Bad Tölz von Daniel Lang (Herbst 2007).
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dirk Heißerer
Thomas-Mann-Förderkreis München e. V.