Elisabeth Mann Borgese im "Villino"
ihres Vaters. Feldafing, 13. Oktober 2000. Foto: Dirk Heißerer
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In Memoriam
In tiefer Bestürzung trauert der Thomas-Mann-Förderkreis
München e. V. um seine Schirmherrin
Frau Professor Elisabeth (Medi) Mann Borgese.
Die jüngste Tochter Katia und Thomas
Manns starb vergangene Woche im Alter von 83 Jahren in der
Nacht vom 7. auf den 8. Februar 2002 in St. Moritz an den
Folgen einer akuten Lungenentzündung. Elisabeth Mann
Borgese hat sich in den letzten Jahren neben ihren weltweiten
Aktivitäten als Ozeanologin verstärkt auch um eine
neue Wahrnehmung ihrer Familie in ihrer Heimatstadt München
bemüht. Ihre sympathische Präsenz in dem mehrteiligen
Dokumentar-Spielfilm Die Manns - Ein Jahrhundertroman
gab ihr erst vor kurzem die viel beachtete Gelegenheit, ihre
Sicht der Familie Mann einem großen und dankbaren Publikum
zu vermitteln. Medi Manns anregende Impulse und ihre lächelnde
Ermutigung werden wir sehr vermissen.
Zur Erinnerung an Elisabeth Mann Borgese präsentieren
wir hier die - in einzelnen Passagen aktualisierte - Begrüßungs-Rede
des 1. Vorsitzenden Dr. Dirk Heißerer anlässlich
der Lesung von Frau Professor Elisabeth Mann Borgese am 13.
Oktober 2000 im Literaturhaus München.
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Frau Professor Mann Borgese,
liebe Mitglieder des Thomas-Mann-Förderkreises, meine sehr
verehrten Damen und Herren,
vor drei Jahren waren Sie, Frau Professor, und
Ihre Freundin Dr. Renate Platzöder, auf einem Spaziergang unterwegs
im Herzogpark. Sie kamen an der Poschingerstraße zu eben demjenigen
Neubau, der 1957 an der Stelle Ihres einstigen Geburtshauses, der
Villa Thomas Mann, kurz Poschi genannt, errichtet worden
war. Dabei entstand die Idee, den mittlerweile Ruine gewordenen
einstigen Neubau zu erwerben, umzubauen und dort ein Museum und
eine Forschungsstätte für Thomas Mann einzurichten. Ein
eigens zu diesem Zweck gegründeter Freundeskreis, aus dem nach
kurzer Zeit der heutige gemeinnützige Thomas-Mann-Förderkreis
München e. V. entstand, konnte diesen Plan aus vielen Gründen
leider nicht verwirklichen. Im Frühjahr 2000 [sowie im Herbst
2001] wurde das alte Haus an einen Privatmann verkauft; ein Neubau
im Stil der alten Poschi ist geplant.
Unterdessen ist die alte Poschi ein paar Kilometer südlich
von München, in Geiselgasteig, auf dem Gelände der Bavaria
als Filmkulisse wiedererstanden. Daran sind Sie, verehrte Frau Mann
Borgese, nicht ganz unschuldig. Sind Sie doch die vermittelnde Hauptfigur
in dem Dokumentar-Fernsehspielfilm Die Manns - Ein Jahrhundertroman,
den der Regisseur Heinrich Breloer in diesem Jahr mit internationaler
Starbesetzung, darunter Armin Müller-Stahl als Thomas Mann,
eben auch dort, in der neuen alten Poschi, gedreht hat und der im
nächsten Jahr gesendet wird. Das Haus und das Inventar wurde
nach alten Plänen und Fotos, vor allem aber nach Ihren Erinnerungen
rekonstruiert. Das Haus wird zwar derzeit als Filmkulisse für
neue Produktionen genutzt und ist in Zukunft wohl meist nur von
außen zu besichtigen. Ab Anfang nächsten Jahres aber
soll das Haus auch innen interessierten Besuchern zugänglich
sein; der Thomas-Mann-Förderkreis steht in Verhandlungen mit
der Bavaria über den Erwerb des Inventars und über eine
öffentliche Nutzung des Hauses. [Das für den Film kopierte
Arbeitszimmer Thomas Manns, bestehend aus dem Schreibtisch mit Sessel,
den Bücherregalen und Sofas, Bildern sowie einigen der von
Medi Mann als Sächlein bezeichneten persönlichen
Gegenständen Thomas Manns wurde vom Förderkreis inzwischen
erworben und erst vor kurzem in Teilen bei einem Gesprächsabend
über Die Manns am 24. Januar 2002 in der Hochschule
für Musik und Theater, München, der Öffentlichkeit
erstmals präsentiert.]
Wenn sich nun der Thomas-Mann-Förderkreis die ganz besondere
Ehre geben darf, dank der langjährigen Freundschaft seiner
zweiten Vorsitzenden, Frau Rosmarie Noris, mit Ihnen, Frau Elisabeth
Mann Borgese, heute zu dieser Lesung und zum anschließenden
Empfang ins Literaturhaus einladen zu dürfen, gehört das
in den Zusammenhang eben derjenigen Initiativen und Aktivitäten,
die mit Ihrem Spaziergang vor drei Jahren im Münchener Herzogpark
begonnen haben. Für diese Anregung, die in München vielerorts
als hoch willkommen und längst überfällig begrüßt
wurde, danken wir Ihnen von ganzem Herzen. Ganz besonders freuen
wir uns darüber, dass Sie sich heute bereit erklärt haben,
die Schirmherrschaft für unseren Förderkreis zu übernehmen.
Die ersten Pläne für erweiterte Aktivitäten haben
wir bereits besprochen, und ich bin Ihnen sehr dankbar dafür,
dass Sie heute Nachmittag auch die Mühe auf sich genommen haben,
trotz Ihres denkbar engen Terminkalenders unserer Gedenkstätte
im einstigen Sommerhaus Ihres Vaters in Feldafing, seinem Villino,
einen Besuch abzustatten.
Wir meinen Sie zu kennen, Elisabeth Veronika Mann, genannt Medi,
geboren am 24. April 1918, als fünftes Kind und dritte Tochter
des Ehepaars Thomas und Katia Mann.
Wir meinen das Kind zu kennen, aus zwei Büchern Ihres Vaters,
dem berühmten Gesang vom Kindchen, erschienen 1919,
ein Jahr nach Ihrer Geburt, zusammen mit Herr und Hund in
einem von Emil Preetorius verzierten Bändchen. Wie gut erinnern
wir uns noch an die grandiose Lesung des Gesangs vom Kindchen
durch Rolf Boysen in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
vor zwei Jahren zu Ihrem 80. Geburtstag.
Wir meinen das Kind auch zu kennen aus der Erzählung Unordnung
und frühes Leid, die erstmals 1925 in einem winzigen, von
Karl Walser ausgestatteten Bändchen, erschien. Unvergessen
ist uns die Lesung der Novelle durch Rudolf Wessely am 2. Dezember
des vergangenen Jahres, hier im großen Saal des Literaturhauses,
anlässlich der ersten öffentlichen Veranstaltung unseres
Förderkreises, als wir lebhaft Anteil nehmen konnten an der
ersten großen unglücklichen Liebe von Lorchen, dem Lieblings-Kindchen
ihres Vaters.
Wir meinen es also zu kennen, das Kind, und es ist doch in beiden
Fällen nur ein literarisches Phantom. Aber was für eins!
Was wissen wir noch? Wir wissen von den Sommerferien der Eltern
Mann mit ihren beiden jüngsten Kindern Elisabeth und Michael
1926 im italienischen Badeort Forte dei Marmi, wo die aufkommende
fremdenfeindliche Stimmung des vorherrschenden Fascismo zu eben
der merkwürdigen Episode führte, die Thomas Mann 1930
in die Novelle Mario und der Zauberer bannte.
Und wir kennen das wunderschöne abenteuerliche Kinderbuch Stoffel
fliegt übers Meer Ihrer Schwester Erika aus dem Jahr 1932,
eine Geschichte, die sie Ihnen und Ihrem Bruder Michael erst erzählt,
dann geschrieben und schließlich - - Für Medi und
Bibi - gewidmet hat. Im letzten Jahr erschien das Buch in der
Ausstattung der Erstausgabe, mit den Illustrationen von Ricki Hallgarten,
im Münchener Peter Kirchheim Verlag.
Das Jahr 1933 war für die fünfzehnjährige Elisabeth
Mann das Ende ihrer Münchner Kindheit und Schulzeit auf dem
Luisen-Gymnasium. In einer zweiteiligen Radiosendung des Bayerischen
Rundfunks hat sie vor kurzem sehr eindringlich im Gespräch
mit Wolf Gaudlitz auch über die Erfahrung der nach dem 30.
Januar 1933 plötzlich, auf einen Schlag, ideologisch völlig
ausgewechselten Münchner und Münchner Lehrer berichtet.
[Diese Sendung ist mittlerweile auf CD im Verlag Audiobuch erschienen
und lautet: Elisabeth Mann Borgese: Mein Vater der Zauberer -
meine Liebe das Meer].
Sie folgte ihren Eltern ins Exil, erst in die Schweiz, wo sie das
Abitur machte und als Konzertpianistin ausgebildet wurde, dann nach
Amerika. Sie studierte Musik, Mathematik und Soziologie.
Im Herbst 1939 heiratete Elisabeth Mann den um 36 Jahre älteren
sizilianischen Dichter, Kritiker und Literaturhistoriker Giuseppe
Antonio Borgese. Borgese, 1882 in der Nähe von Palermo geboren,
später Professor an der Universität Mailand, war bereits
1931 aus Protest gegen den Faschismus Mussolinis in die Vereinigten
Staaten ausgewandert. Im amerikanischen Exil schrieb er das Buch
Goliath, the March of Faschism, das 1938 im Amsterdamer Exil-Verlag
Allert de Lange unter dem Titel Der Marsch des Faschismus
in deutscher Übersetzung erschien. Darin sah er die Ursachen
des italienischen Fascismo im irrationalen Glauben an ein neues
römisches Imperium. Die geistige Linie gehe dabei, so Borgese,
von Dante, Petrarca und Machiavelli zu DAnnunzio und Mussolini.
Eine rechtzeitiges Eingreifen der führenden italienischen Eliten
und auch des Vatikan hätte den Aufstieg des Fascismo aufhalten
können und müssen.
Mit ihrem Mann, der 1952 in Fiesole verstarb, bekam Elisabeth Mann
Borgese zwei Töchter, Angelica, später Physikerin in Florenz,
und Dominica, später Biologin in Mailand. Sie hat drei Enkel,
Michele, Natalia, und Marta, zwei Pflegeenkel, Christopher und Adam,
und zwei Urenkel, Thomas und Isabella.
Das alles ist öffentlich, das kennen wir. Aber was kennen wir
wirklich von Ihnen selbst, von der Schriftstellerin, der Professorin
für Seerecht an der Dalhousie University in Halifax, Kanada?
Sie waren 1970 (als einzige Frau) Gründungsmitglied des Club
of Rome, dem renommierten informellen Zusammenschluss von Wirtschaftsführern
und Wissenschaftlern aus über 30 Ländern. Weiter begründeten
Sie 1972 in Malta das von Ihnen geleitete International Ocean Institute.
Sie sind aber nicht, wie vielfach immer wieder falsch geschrieben
wird, Meeres-Biologin, sondern bezeichnen sich selbst als Ozeanologin,
die eben in mehreren Fächern und Disziplinen kundig sein muss,
auch in Meeres-Biologie. Sie übernahmen 1980 eine Professur
für politische Wissenschaften in Halifax und waren maßgeblich
an dem 1982 verabschiedeten Seerechtsübereinkommen der Vereinten
Nationen beteiligt. Wir kennen Sie daher als Meer-Frau,
von der ein aufschlussreiches Gespräch als Zeugin des Jahrhunderts
in einem Taschenbuch des Lamuv-Verlags nachzulesen ist. Sie wiesen
1977 in Buchform auf Das Drama der Meere hin. Und Sie haben
erst im letzten Jahr hier im Literaturhaus Ihr neuestes Werk, den
umfangreichen, engagierten Bericht an den Club of Rome unter dem
Titel Mit den Meeren leben. Über den Umgang mit den Ozeanen
als globaler Ressource vorgestellt, das als Buch der Zeitschrift
mare bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.
Ihr erstes großes Welt- und Menschenbuch erschien allerdings
bereits 1962 in New York unter dem Titel Ascent of Woman.
Die Übersetzung drei Jahre später im Münchener Paul
List Verlag wurde zu der provokanten Frage erweitert Aufstieg
der Frau - Abstieg des Mannes? Es ist ein, wie ich finde, großartiges
Buch, aus einem Wurf, leider bislang noch nicht wiederentdeckt.
Für die Feministinnen ist es vielleicht zu komplex, für
die Zukunftsforscher dagegen möglicherweise zu substantiell.
Die Autorin geht von der Gruppenbildung und der Gruppenkraft bei
Insektenvölkern und Säugetieren aus und leitet dann zum
Homo sapiens über, wo sie die Affinität zwischen dem Kollektiven
und dem Weiblichen in der modernen pluralistischen Gesellschaft,
in der Kunst, im Mythos, in der Sprache und in berühmten Utopien
aufzeigt. Das Buch ist tatsächlich vielleicht ein wenig kühn
geschrieben, wie die Autorin vor zwei Jahren bei einem Abendessen
anlässlich der Ehrungen zu ihrem 80. Geburtstag fröhlich
bekannte. Stehen darin doch so unerhörte Sätze wie: Unser
Utopia ist ein Weltstaat, eine föderalistische Weltrepublik.
Aber so unerhört ist das gar nicht mehr, wo doch, wie noch
vorgestern in der Süddeutschen Zeitung, allen Ernstes derzeit
bereits eine Internet-Regierung diskutiert wird.
Wen wir aber bei alledem noch nicht so richtig kennen, das ist die
Erzählerin Elisabeth Mann Borgese. Aber diese Erzählerin
kennen Sie ja, wie Sie, Frau Mann Borgese, im Vorwort der vor zwei
Jahren erschienenen Neuausgabe Ihrer Novellen schreiben, selbst
kaum noch. Die Geschichten - die früheste, Das andere Delphi,
aus dem Jahr 1953 werden wir gleich hören - kamen erstmals
zwischen 1957 und 1960 in der amerikanischen und englischen Originalausgabe
unter dem Titel To whom it may concern heraus. Übersetzungen
erschienen bald darauf in Italien und Frankreich. Die erste deutsche
Übersetzung von Helmut und Christel Wiemken gab 1965 der Hamburger
Verlag Hoffmann und Campe unter dem Titel Zwei Stunden. Geschichten
am Rande der Zeit heraus. Im Vorwort zur Neuausgabe Der unsterbliche
Fisch in der von Thomas B. Schumann in Hürth bei Köln
geleiteten Edition Memoria schreiben Sie, Sie hätten
an die Person, die diese Geschichten vor mehr als 40 Jahren geschrieben
habe, kaum noch eine Erinnerung: War das ich?, fragen Sie.
Nicht eine Körperzelle, nicht eine Gehirnzelle habe ich
noch mit jener Person gemeinsam, die noch nicht ins Meer gefallen,
noch nicht dem Meer verfallen war.
Und damit sind wir, zum Glück, endlich beim Thema. Wir werden
Merkwürdiges hören, Geschichten eines offenen Fragens,
eines Aufhebens von Grenzen, von Raum und Zeit, Mensch und Maschine,
Mensch und Tier. Das, könnte man sagen, ist doch nichts anderes
als das alte Zaubermittel der Literatur. Ja, sicher, und eben bei
Ihrer Herkunft aus dem Haus des Zauberers wohl auch kein Wunder.
Aber es sind Geschichten einer Frau, die später auch das lebte,
was sie vorher schrieb, die Affen das Schreiben einfacher Worte
und ihren Hunden auf einem eigens konstruierten Hundeklavier Beethovens
Ode an die Freude beigebracht hat. Vielleicht ist nur so, aus diesem
kreativen Verständnis der Natur und der Kreatur, der kleine
Seehund Solon in Ihrem bislang noch nicht auf deutsch veröffentlichten
Märchen Thron, Wurm und Superhai als Retter der Meere
und der Menschen denkbar und verstehbar?
In der Ankündigung Ihrer Geschichten haben Sie 1965 geschrieben,
Sie würden gerne erreichen, dass man meine Erzählungen
liest, wie man ein Bild von Mondrian betrachtet oder ein Musikstück
von Luigi Nono anhört, und dieser Vergleich wurde verstanden
als Hinweis darauf, dass in Ihrer Prosa Handlung, Dialog, Humor
zugleich Chiffren sind für Weltzusammenhänge, die - ob
absurd oder bedrohlich - nicht an der Oberfläche liegen. So
weist jede dieser Geschichten in ihrer Art über sich hinaus:
als ein abenteuerliches Eindringen in die Bereiche der Spekulation,
der steten Wechselwirkung zwischen Logik, Gesetz und Zufall, zwischen
surrealem Sinn und sinnvoller Unwirklichkeit.
Zwischen der Professorin und der Erzählerin gibt es also die
innige Vebindung der Abenteurerin. Literatur wird zum Leben und
das Leben zur Lesung. Liebe Frau Professor Mann Borgese, darf ich
Sie jetzt an das Mikrofon bitten? Wir freuen uns alle sehr auf den
Abend mit Ihnen.
Vielen Dank!
Trauerfeier für Elisabeth
Mann Borgese in Kilchberg bei Zürich, Donnerstag, 14. 2. 2002
Die Urne der eingeäscherten Verstorbenen war
um 14.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn der Trauerfeier, im engsten
Familienkreis im Familiengrab beigesetzt worden.
Die kleine Kirche war gut gefüllt. In der ersten Reihe nahmen
die Angehörigen Platz, die Töchter Angelica und Nica Borgese,
Prof. Dr. Dr. Frido Mann und andere. Dr. Heinrich Breloer, der Regisseur
des Films Die Manns, der seiner Hauptdarstellerin Elisabeth
Mann Borgese so viel verdankt, wurde vermisst. Der Altarraum war
mit 12 großen Kränzen geschmückt, darunter Kränze
der Stadt München, des Intendanten des Westdeutschen Rundfunks,
der Verlage Rowohlt und Kindler und der Gemeinde Kilchberg. Zwei
Klarinetten und ein Fagott spielten ruhige und heitere Divertimenti
von Mozart.
Die Reden begannen mit einer Begrüßung durch eine Pfarrerin,
die mit dem Wort Alle Flüsse münden ins Meer
das Thema vorgab. Der langjährige Freund Peter Wehrli sprach
heiter über die produktive Spiellust des Glückskinds
Medi Mann Borgese. Ihr sei spaßeshalber nahezu
alles gelungen, auch eine schlechte Erfahrung habe ihr zufolge immer
etwas Gutes. Ihr Optimismus sei enthusiastisch gewesen, ihr Weltbewusstsein
nicht an nationalen Hürden hängen geblieben. Die Beiläufigkeit
der Erkenntnis, ihr unermüdlicher Einsatz für das Projekt
der Meere, alles das sei aus der Gnade erwachsen, ein Glückskind
gewesen zu sein. Jetzt sei es an uns, dieses Glück weiter zu
geben. Danach sprach der deutsche Botschafter in der Schweiz, der
zugegebenermaßen Frau Mann Borgese zwar nicht persönlich
kennen gelernt habe, ihr Wirken aber mit großem Interesse
verfolgt habe. Dr. Thomas Sprecher, Präsident der Schweizerischen
Thomas-Mann-Gesellschaft, nahm den von Peter Wehrli angestimmten
heiteren Ton auf und schloss nach einer kurzen Lebensübersicht
mit dem Hinweis auf das kosmopolitische Familiengrab der Manns,
wo nun nach den amerikanischen, tschechischen, italienischen und
englischen Mitgliedern der Familie nun auch eine Kanadierin beigesetzt
worden sei.
Zuletzt ergriff noch Elisabeth Mann Borgeses Ziehsohn
Nicolaus Gelpke das Wort, der Meeresbiologe und Herausgeber der
Zeitschrift mare. Elisabeth Mann Borgeses letzter Text
sei ihm im Januar unaufgefordert zugegangen, der letzte Satz sei
wie eine Botschaft: Vielleicht ist es so, wenn die Nacht am
dunkelsten ist, ist der Morgen am nächsten. Die Trauerschar wurde anschließend ins Gemeindehaus zu einer kleinen Stärkung gebeten. Auch dort war der Ton der Gespräche herzlich und freundlich. Der Weg führte viele vorher noch zum Grab, wo nur eine kleine Stelle frischer Erde und ein Namensschild den letzten Zugang markierte. Ein kleiner Kieselstein aus dem Gardasee war der erste Gruß an die Verstorbene, mitgebracht vom Vorsitzenden des Thomas-Mann-Förderkreises, deren Schirmherrin Elisabeth Mann Borgese gewesen ist. (DH)
Hinweis
Der Nachruf auf Elisabeth Mann Borgese von Thomas Sprecher erschien im
Thomas Mann Jahrbuch, Band 15, 2002, S. 9-14
(V. Klostermann, Frankfurt am Main, 2002, ISBN 3465031946)
Die ebenfalls bei der Trauerfeier am 14. Februar 2002 in Kilchberg gehaltene
Rede von Peter K. Wehrli ist in Heft 29 der "Blätter der Thomas Mann Gesellschaft", Zürich, erschienen.
Nähere Informationen
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